Bei Lilith (Das Klavier)

„Und du willst es wirklich hier hinein stellen?“
„In eine Glocke aus Glas, als Deko, warum nicht? Was soll schon geschehen?“

Daniel, war damals in einen kleinen Ort gezogen, raus aus der Stadt, weil seine Eltern ausgerechnet hier eine Arbeit gefunden hatten. Neben seinem neuen Wohnhaus, stand ein altes Haus, seit Jahren unbewohnt, die Kinder machten sich einen Spaß dort ein zu brechen, es waren Mutproben, die Nacht dort zu verbringen und ähnliches. Daniel, beschloss sich auch einmal das Haus genauer an zu sehen und so ging er hinein, durchsuchte es und fand eine ungeöffnete Türe. Er war geschickt und konnte diese so recht schnell öffnen. Dahinter stand ein prachtvoller Flügel, aus schwarzem Holz, er hatte zwei mit Rankenmuster umschlungene Kerzenhalter und einige Rosen, die die Tastatur umgaben. Das Bild das sich in diesem düsteren alten Raum um das Prachtstück, das doch auch düster wirkte bot, konnte leicht aus einem Gruselfilm stammen.

Daniel fand den Schlüssel zu dem Zimmer in der Tür und fragte sich wie man wohl von innen abgeschlossen hatte, er nahm ihn an sich, wollte heimlich hier spielen, das Klavier zog ihn an. Heute aber musste er nach Haus.

Einige Tage später war er wieder in dem Haus, er spielte, das Klavier, es war erfrischend, die Klänge, des alten Klaviers, das so gar nicht verstimmt aber ungewöhnlich tief klang zu hören, die Leute rund herum genossen es, nur eine alte Frau begann, ihre Enkel zu warnen, sie sollten sich nun wo diese Klänge wieder zu hören waren ja von dem Haus fern halten.  Sie hörten nicht, denn wer glaubt schon heute noch an Flüche und so geschah es, das eines ihrer Mädchen zu dem Haus lief, vom Klang des Klaviers angezogen. Sie ging hinein und wie im schlaf machte sie sich auf in den dritten Stock. Dort setzte sie sich in das Fenster und ließ die Beine hinunter Baumeln, sie saß einfach nur da, niemand konnte sie sehen, denn das Fenster zeigte zum Garten und dieser war wild. Sie lächelte sanft, als die letzten Klänge des Stückes erklangen, in das Daniel vertieft war,, der auch wie in einem Bann spielte, das Mädchen drückte sich derweil vom Fenstersims weg und fiel hinunter in den Garten, landete in einer Hecke, die ihren Sturz abfing, hatte zahllose blaue Flecken und einen gebrochenen Arm, sie hatte die Steine neben der Hecke knapp verfehlt und war erwacht, sie schrie und weinte und Daniel, der zu einem neuen Stück ansetzen wollte, erwachte, schloss die Tür, rief einen Krankenwagen.

Bald darauf spielte Daniel erneut, er genoss es, denn seine Eltern konnten sich kein Klavier leisten und er wollte den Unterricht, den er einst hatte nicht umsonst gewesen sein lassen. Wieder schlich sich von der Musik angezogen ein Mädchen in das Haus, dieses Mal setzte sie sich auf das Dach. Auch sie ließ die Beine baumeln, während die Musik ertönte, tanzte sogar ein wenig am Dach, was von außen gefährlich an zu sehen war, doch ohne Zweifel gut ausging. Schließlich setzte wieder einmal die letzte Strophe des Liedes ein und sie rannte, der ansteigenden Musik gleich, das Dach zu seinem Ende entlang und schrie, als es dem Schlaf entweichend in seinen Tod stürzte, bevor es völlig verdreht am Boden lag.

Daniel war sich keiner Schuld bewusst und hatte auch nicht mitbekommen, was geschehen war, doch eine alte verbitterte Frau, schimpfte ihn aus, man würde nicht auf dem Klavier, des Teufels spielen, man wisse doch das es unglück bringe. Die Kinder lachten sie aus und am nächsten Tag, da stand es in der Zeitung, das man das Mädchen gefunden hatte, das es wohl vom Dach gesprungen war, in eben die andere Richtung als die, in die Daniel ging und der schrei? Nun wie hätte Daniel, den in seiner Trance hören sollen?

Ein ums Andere Mal spielte Daniel und ein ums Andere Mal geschahen Unfälle, es gab verletzte, Tote, doch niemals hätte Daniel, sich diese zugeschrieben. Bis er selbst etwas zu beobachten begann. Aus dem kleinen Fenster heraus konnte man das Nachbarhaus sehen, man konnte genau genommen in das Bad des Nachbarhauses sehen und Daniel hatte gerade zu spielen begonnen, als die Tochter, in eben diesem Haus, das Bad betrat und sich zum Duschen fertig machte. Sie war ein überaus hübsches Mädchen, das Daniel schon mehr als einen schönen Traum bereitet hatte und so spähte er vielleicht ein bisschen nach ihr. Als nun die Klänge des Klaviers sie erreichten, kippte sie das Fenster, nackt, wie sie war um besser hören zu können, im Takt der Musik wippte sie auf den Spiegel zu und stieß mit dem Kopf dagegen, Daniel, glaubte zunächst sich verguckt zu haben, doch es geschah immer wieder wenn er die selben Töne spielte. Stoppte er so schien sie aus einem Schlaf zu erwachen und zu realisieren, was sie getan hatte. Daniel wählte den Notruf, sagte wo er sich befand falls es fragen gab, doch es gab keine, er hörte nur die zuerst verwunderten Eltern, die Sanitäter hinein ließen, dann die verwunderten/schockierten Eltern die ihre Tochter fanden. Noch fand Daniel dies seltsam, aber nicht auf ihn zurück zu führen, niemand sprach mit ihm und so setzte er erneut an. Es verwunderte ihn, das die kleine Schwester, sofort, in ihr Nachthemd gekleidet in das Selbe Muster verfiel und bevor auch sie sich ernsthaft etwas tat, stoppte er.

Einige Zeit spielte er nicht, gab sich die Schuld an allen Unfällen, bis er begann rational zu denken und dann ergab das alles nun einmal keinen Sinn. So ging er wieder in das Haus, als man dort eine Feier veranstaltete. Er erzählte den anderen von dem Klavier, zeigte den Schlüssel und man forderte ihn auf zu spielen, wo er es ja konnte. So begann er freudig zu spielen und nichts geschah, nichts, außer das man zu tanzen begann.
Doch schnell änderte sich der zwanglose Tanz, das Mädchen, das sich den Kopf an den Spiegel gestoßen hatte, saß mit einigen anderen unten. Sie nahm das Taschenmesser, das man mitgenommen hatte, da es einen Flaschenöffner hatte, klappte es auf, sah es an, schien mit ihm zu tanzen und schnitt sich dann damit tief in den Arm, von oben hinab, nach unten wandernd, jedoch nicht mit der Richtung der Adern. Die andern wollten sie stoppen, doch sie rannte davon, stieß sie von sich, rannte in einen leeren Raum. Durch das Schlüsselloch konnten die anderen sie sehen, sie bekamen die Tür nicht auf, nicht bis sie noch einmal ansetzte diesmal in der Flussrichtung der Adern, im Takt der leise und lauter werdenden Klänge schnitt sie, langsam, schnell, langsam, schnell, langsam, schnell, langsam, schnell……..
Sackte zusammen, der Boden voll Blut, die Tür ging auf.

Einige Mädchen übergaben sich, einige waren starr vor Schreck, eines rief den Notruf, versuchte die Blutung zu stoppen, einfach noch zu helfen.

Oben war unter den jüngeren ein Wettbewerb im Gange, wer sich traute von diesem oder jenen Balken zu springen und auf einmal, schienen sie wie die Gänse hinter einander her, auch im takt der Musik zu dem Fenster zu laufen. Sie machten es aus und man wartete, auf die richtige Stelle im Lied und sprang, einer dann der Zweite, dann begann man Daniel am Klavier zu rütteln, der nichts wahr zu nehmen schien. Schließlich aber aufsah und sah was geschah, er konnte seine spielenden Hände jedoch nicht von den Tasten lösen, es war als ob sie ihm nicht gehorchen würden. Sie spielten weiter, die Melodie zwang wie Daniel sah, die kleine Schwester wieder ins Bad zu gehen, wieder den Kopf an den Spiegel zu schlagen, die Jungen zum Springen und eines der Mädchen grinsend ein schon blutiges Messer, vor seinen Augen, auf ihre schöne, weiße Haut an zu setzen. Er schrie, schrie wie ein verrückter und es bereitete ihm Schmerzen sich zu lösen und während, der Nächte auf die Fensterbank trat, das Mädchen wieder ansetzte um sich zu ritzen und die kleine vom Hocker vor dem Spiegel fiel, konnte er sich lösen und brach sie dabei die Hände.

Die Kinder und Jugendlichen konnten niemanden erklären was und warum es geschehen war, doch es gab einige tote und unzählige verletzte. Daniel war schuldig das wusste er, auch wenn er irgendwie unter einem Bann gestanden hatte. Niemand von den anderen verurteilte ihn, das aber war auch nicht nötig. Er schloss die Tür einige Wochen später und warf den Schlüssel weg und als die Tür nun wieder offen stand,, da wendete er sich an die Barkeeperin, die er letztens kennen gelernt hatte, mit dem weißen Haar, die sich Lilith nannte und verwünschene Dinge für ihre Bar sammelte.
Da stand er nun 15 Jahre später, in dieser Bar und brachte den Flügel her, hoffte das er nie wieder gespielt werden würde und fühlte sich noch immer schuldig. Fühlte sich noch immer wie ein Mörder, sie legte ihre bitterkalte Hand auf seine Schulter und sagte leise: „Wahre Mörder bereuen nicht, die die reuen sind im Herzen gut, lass dir das von einer ehemaligen Jägerin sagen!“ Als er sich umdrehte sah er ihre spitzen Eckzähne blitzen und während er in einen Dämmerschlaf fiel, vor dem er noch kurz das Bild aus den Adern trinken ist hier verboten sah, bohrten sich die Zähne sanft in seinen Hals, es war in seinem Traum ein schmerz, der ihn aber auch irgendwie anmachte. Lilith lächelte als sie dies merkte, sie flüsterte:“ Das an deinem Hals sind Mückenstiche, aber viel wichtiger ist, du bist kein Mörder, du akzeptierst, das der Fluch dich dazu trieb und du fühlst dich dadurch besser und lebst dein Leben!“ Sie ließ von ihm ab, leckte sich die Lippen und sah ihn, die Worte wiederholend, in die Augen, die zeigten, er war nicht ganz da.

 

Eine Stunde später öffnete die Bar, über dem Klavier war eine Glasglocke, ein junges Mädchen schwor, das sie frisches Blut riechen konnte und Lilith schüttelte den Kopf während sie ihr eine rote Flüssigkeit einkippte. Sie stellte dem erwachenden Daniel einen Gin hin, „War ein harter Tag, was? Der geht aufs Haus, hilft gegen Kopfschmerzen. Sag wie fühlt man sich, wenn man so viele Menschen umgebracht hat?“
„Habe ich das? Ich denke nicht mehr das ich ein Mörder bin, der Fluch trieb mich dazu, wie sollte ich den sonst mit solch einer Schuld weiter leben?“
Sie lächelte, er packte sich an den Hals, „Hast du Mücken in der Bar?“
„Wird wohl so sein, da muss ich mal einen Fliegenfänger aufhängen.“

 

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